EU-Datengesetz stärkt Verbraucherrechte bei Fahrzeugdaten
Eine wegweisende EU-Verordnung verpflichtet Autohersteller zu mehr Transparenz und gibt Verbrauchern erstmals umfassende Kontrolle über ihre Fahrzeugdaten. Das seit September 2025 geltende Datengesetz markiert einen wichtigen Schritt für digitale Verbraucherrechte.
Mehr Rechte für alle Autobesitzer
Der EU Data Act, der bereits Anfang 2024 in Kraft trat, revolutioniert den Umgang mit Fahrzeugdaten. Besonders progressiv: Die Regelung gilt nicht nur für Neufahrzeuge, sondern auch für bereits erworbene Autos. Damit erhalten Millionen von Autobesitzern rückwirkend neue Rechte an den von ihren Fahrzeugen generierten Daten.
Die Verordnung zielt darauf ab, die Monopolstellung der Hersteller aufzubrechen und mehr Wettbewerb zu schaffen. Autofahrer sollen künftig selbst entscheiden können, wer Zugriff auf ihre Fahrzeugdaten erhält und wie diese genutzt werden.
Konkrete Vorteile für Verbraucher
Die neuen Regelungen bringen handfeste Vorteile mit sich. Autobesitzer können ihre Daten gezielt mit Versicherungen teilen und dadurch günstigere Tarife aushandeln. Freie Werkstätten erhalten Zugang zu Diagnosedaten, was die Wahlfreiheit bei Reparaturen erhöht, ohne dass die Garantie erlischt.
Zusätzlich ermöglicht die Verordnung eine schnellere Pannendiagnose und die Nutzung von Fahrzeugdaten in Apps von Drittanbietern. Wichtig: Hersteller dürfen für den Datenzugriff kein Geld verlangen.
Technische Umsetzung und Zugriffsmöglichkeiten
Autofahrer haben zwei Wege, um an ihre Daten zu gelangen: Entweder direkt über Apps oder indirekt durch Anfragen bei den Herstellern über Webportale. Seit September 2026 müssen neue Fahrzeuge bereits so konstruiert werden, dass der Datenzugriff technisch von Anfang an möglich ist.
Hersteller sind verpflichtet, transparent zu kommunizieren, welche Daten erfasst werden und wie Nutzer darauf zugreifen können. Das Ende der Datensilos bedeutet einen Paradigmenwechsel in der Automobilindustrie.
Kritik und Umsetzungsherausforderungen
Trotz der Vorteile für Verbraucher gibt es auch kritische Stimmen. Datenschutz-Experten warnen vor möglichem Missbrauch sensibler Fahrzeugdaten. Der ADAC fordert sektorspezifische Regeln, die den besonderen Anforderungen der Autobranche gerecht werden.
Besonders problematisch ist die mangelnde Umsetzung in deutsches Recht. Der Digitalverband Bitkom und der BDI beklagen, dass die 20-monatige Übergangsfrist nicht genutzt wurde, um klare behördliche Strukturen zu schaffen. Diese Unsicherheit könnte die praktische Anwendung der neuen Rechte erschweren.
Der Erfolg der Verordnung hängt letztendlich davon ab, wie nutzerfreundlich die Hersteller den Datenzugang gestalten und ob Autofahrer ihre neuen Rechte aktiv einfordern. Ein wichtiger Schritt für mehr digitale Gerechtigkeit ist jedoch bereits getan.