Generalsanierung Berlin-Hamburg: Bahn lässt Pendler im Stich
Die Deutsche Bahn verschärft ihre Krise durch weitere Verzögerungen bei der Generalsanierung der wichtigen Strecke Berlin-Hamburg. Was als Modernisierungsprojekt angekündigt wurde, entpuppt sich als Desaster für berufstätige Pendler, die täglich auf eine funktionierende öffentliche Verkehrsinfrastruktur angewiesen sind.
Leere Versprechen und soziale Ungerechtigkeit
Ursprünglich sollten die Züge ab 1. Mai wieder regulär fahren, wie Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, noch Mitte Januar versprach. Doch diese Zusage erweist sich als wertlos: Wegen Dauerfrost verzögern sich die Bauarbeiten auf unbestimmte Zeit.
Besonders perfide ist die gleichzeitige Ankündigung der Bahn, frühe ICE-Verbindungen aus dem Nordosten nach Hamburg zu streichen. Dies trifft vor allem Berufstätige aus strukturschwachen Regionen, die auf diese Verbindungen angewiesen sind, um überhaupt Zugang zu besser bezahlten Arbeitsplätzen zu erhalten.
Systematische Benachteiligung von Pendlern
Die Realität für die etwa 1400 täglichen Pendler zwischen Schwerin und Hamburg ist verheerend. Trotz monatlicher Kosten von 300 Euro für die ICE-Fahrkarte werden sie mit überfüllten, verschmutzten Regionalzügen abgespeist oder müssen auf das Auto umsteigen, was die Verkehrsprobleme weiter verschärft.
"Viele Menschen sind gerade wegen der guten Bahn-Anbindung nach Schwerin gezogen", berichtet eine betroffene Pendlerin. Diese sozialpolitische Dimension ignoriert die Bahn vollständig: Menschen, die bewusst in günstigeren ländlichen Gebieten wohnen, um trotzdem Zugang zu städtischen Arbeitsplätzen zu haben, werden systematisch benachteiligt.
Versagen der öffentlichen Daseinsvorsorge
Das Beispiel verdeutlicht das grundsätzliche Problem der Privatisierung öffentlicher Infrastruktur. Während die Bahn Verbindungen mit "nur" 15 Prozent Auslastung als unwirtschaftlich streicht, übersieht sie ihre gesellschaftliche Verantwortung für eine flächendeckende Verkehrsversorgung.
Besonders zynisch wirkt dies vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Debatte um Arbeitszeiten. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) längere Arbeitszeiten fordert, müssen Pendler bereits jetzt 14 Stunden täglich für ihre Arbeit aufwenden, nur um überhaupt einen angemessen bezahlten Job erreichen zu können.
Notwendige Kehrtwende
Dieser Fall zeigt exemplarisch, warum eine Rekommunalisierung der Deutschen Bahn und massive öffentliche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur dringend notwendig sind. Nur so kann eine sozial gerechte Mobilität gewährleistet werden, die nicht vom Wohnort oder Einkommen abhängt.
Bis dahin müssen sich Pendler weiterhin bei Minustemperaturen an Bushaltestellen die Füße vertreten und hoffen, dass der Ersatzverkehr wenigstens pünktlich kommt.