Autoindustrie: Stimmungsaufhellung trotz anhaltendem Stellenabbau
Die deutsche Autoindustrie zeigt erste Anzeichen einer Erholung, doch der Preis dafür ist hoch: Während die Geschäftserwartungen auf den besten Stand seit drei Jahren steigen, setzen die Unternehmen ihren Stellenabbau unvermindert fort. BMW kündigte den Abbau von 8.000 Stellen an. Das ifo-Institut verzeichnet einen deutlichen Anstieg des Geschäftsklimaindex auf minus 15,6 Punkte, nach minus 21,6 Punkten im Vormonat.
ifo-Daten: Erwartungen auf bestem Stand seit Jahren
Die reinen Geschäftserwartungen der Branche verbesserten sich von minus 30,7 Punkten im April auf minus 0,1 Punkte im Juli. „Die Auftragsbücher füllen sich wieder etwas, und die Exporterwartungen sind gestiegen“, erklärte ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl. Der Aufwärtstrend sei vor allem bei Aufträgen aus Deutschland und dem Euro-Raum sichtbar. Die Daten liegen bis Mai vor und zeigen eine klare positive Richtung.
Rüstungskonjunktur als unerwarteter Treiber
Hinter dem Auftragsplus stehen nicht nur klassische Autobauer, sondern auch Hersteller von Karosserien, Aufbauten und elektronischen Ausrüstungen. Diese Unternehmen produzieren Komponenten, die auch außerhalb der Automobilindustrie gefragt sind. Wölfl nennt einen überraschenden Faktor: „Die europaweit steigenden Investitionen in Rüstungsgüter könnten Teilen der Automobilindustrie zugutekommen.“ Hersteller, die sowohl für die Autobranche als auch für die Verteidigung liefern, profitieren offenbar von den wachsenden Verteidigungsbudgets in Europa.
Geschäftslage bleibt schlecht – Stellenabbau geht weiter
Trotz der verbesserten Erwartungen bewerten die Firmen ihre gegenwärtige Geschäftssituation weiterhin als düster. Allein im vergangenen Jahr sank die Beschäftigung in der deutschen Autoindustrie nach amtlicher Statistik um knapp 50.000 Personen, ein Rückgang von rund sechs Prozent auf gut 721.000 Beschäftigte. BMW kündigte als letzter großer deutscher Autohersteller ein umfangreiches Stellenabbauprogramm an: Weltweit sollen rund 8.000 Jobs wegfallen. Der Abbau soll über natürliche Fluktuation sowie ein freiwilliges Abfindungsprogramm laufen, das von Oktober 2026 bis Ende 2027 gilt. Mehr als die Hälfte der rund 154.000 BMW-Mitarbeiter weltweit arbeitet in Deutschland.
Strukturelle Krise: China und US-Zölle belasten
Die Ursachen der Krise sind tiefgreifend. China, jahrelang der wichtigste Wachstumsmarkt, verzeichnet für deutsche Autobauer deutliche Rückgänge: Im ersten Halbjahr 2025 fiel der Absatz von BMW in China um rund 13 Prozent, Mercedes-Benz sogar um bis zu 19 Prozent. Hinzu kommen erhöhte US-Importzölle, die vor allem teure Importfahrzeuge aus Deutschland treffen. Volkswagen, Mercedes und Porsche verzeichneten auch in den USA deutliche Absatzminus. Die Kombination aus schwächelndem China-Geschäft und Zollbelastungen drückt auf Gewinne und Belegschaften.
Kann die Rüstungskonjunktur die Transformation retten?
Der mögliche Beitrag der Rüstungskonjunktur klingt ungewohnt für eine Branche, die sich selbst als Mobilitätsindustrie versteht. Tatsächlich liefern viele Zulieferer schon heute Bauteile in verschiedene Industriezweige. Die wachsenden Verteidigungsausgaben in Europa eröffnen neue Absatzkanäle. Ob das reicht, um die strukturellen Probleme zu lösen, ist fraglich. Langfristig bleibt die Transformation hin zur Elektromobilität die entscheidende Herausforderung.
FAQ: Die Krise der deutschen Autoindustrie
Warum steigen die Geschäftserwartungen trotz Stellenabbau?
Die Erwartungen verbessern sich, weil die Auftragsbücher sich füllen, insbesondere aus Deutschland und dem Euro-Raum. Auch die Rüstungskonjunktur spielt eine Rolle. Die aktuelle Geschäftslage bleibt jedoch schlecht, weshalb Unternehmen weiter Stellen abbauen.
Welche Rolle spielt die Rüstungsindustrie?
Hersteller von Komponenten, die sowohl für die Auto- als auch für die Verteidigungsindustrie liefern, profitieren von steigenden Verteidigungsbudgets in Europa. Dies kann kurzfristig Auslastung bringen, löst aber nicht die langfristigen Herausforderungen der Elektromobilität.
Wie viele Jobs sind in der deutschen Autoindustrie gefallen?
Im vergangenen Jahr sank die Beschäftigung um knapp 50.000 Personen auf gut 721.000 Beschäftigte, ein Rückgang von rund sechs Prozent. BMW plant den Abbau von 8.000 Stellen weltweit.