WM 2026: Balogun und das umkämpfte US-Geburtsrecht
Folarin Balogun ist einer der prägenden Spieler der US-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026. Dass er für die USA auflaufen darf, beruht auf einer Verfassungsbestimmung, die Donald Trump abschaffen will. Die Umstände seiner Geburt illustrieren die politische Debatte um Staatsbürgerschaft und Zugehörigkeit in den Vereinigten Staaten.
Wie ein Flugverbot Baloguns Staatsbürgerschaft begründete
Im Frühjahr 2001 wollte die im siebten Monat schwangere Florence Balogun nach einem Besuch in New York einen Flug nach London besteigen. Mitarbeiter der Fluggesellschaft verweigerten ihr am Gate den Zutritt, mit Verweis auf Sicherheitsbestimmungen. Florence Balogun blieb in New York. Am 3. Juli 2001 brachte sie im Stadtteil Brooklyn ihren zweiten Sohn zur Welt: Folarin Balogun.
Einen Monat nach der Niederkunft kehrte die Mutter mit dem Neugeborenen nach London zurück, zu Ehemann Ben und dem älteren Sohn. Beide Eltern wurden in Nigeria geboren und waren dort aufgewachsen, bevor sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach London gezogen waren. Folarin Balogun hat nie länger als diesen einen Monat in den USA gelebt. Durch das Geburtsortsprinzip, verankert im 14. Verfassungszusatz von 1868, wurde er dennoch automatisch US-Staatsbürger.
Warum Trumps Agenda Baloguns Status bedroht
Ginge es nach der politischen Agenda von Donald Trump, hätte Folarin Balogun am ersten Spieltag dieser WM keine zwei Treffer gegen Paraguay erzielen können. Der US-Präsident strebt eine Änderung des 14. Verfassungszusatzes an, der Menschen, die auf dem Boden der Vereinigten Staaten geboren werden, automatisch die Staatsbürgerschaft verleiht, unabhängig von der Herkunft ihrer Eltern.
Trumps Vorstoß richtet sich gegen eine der inklusivsten Bestimmungen der US-Verfassung. Der 14. Verfassungszusatz wurde 1868 nach dem Bürgerkrieg verabschiedet, um die Rechte von ehemaligen Sklaven und deren Kindern zu sichern. Seine Abschaffung würde Millionen von auf US-amerikanischem Boden geborenen Kindern ein grundlegendes Recht entziehen. Baloguns Fall zeigt exemplarisch, wie willkürlich die Grenzziehung zwischen Zugehörigkeit und Ausschluss verläuft, wenn Geburtsort und gelebte Realität auseinanderklaffen.
Baloguns Entscheidung für das Geburtsland
Sportlich standen Balogun mehrere Optionen offen. Er hätte für Nigeria spielen können, das Heimatland seiner Eltern. Auch England wäre eine Möglichkeit gewesen. Im Alter von acht Jahren nahm der FC Arsenal ihn in seine Akademie auf. Zwischen 2018 und 2021 bestritt er 32 Spiele für englische Jugendauswahlen. Gleichzeitig absolvierte er 2018 vier Partien für die U18 der USA.
Erst im Frühjahr 2023 entschied sich Balogun endgültig für sein Geburtsland.
Wir haben beschlossen, dass es das Richtige ist, das Land zu repräsentieren, in dem ich geboren wurde.Seine Mutter Florence erhob keinen Einwand. Für das USMNT, das zuvor vergeblich nach einem Mittelstürmer gesucht hatte, kam die Entscheidung zur rechten Zeit.
Sportliche Bilanz und WM-Ausblick
In 29 Länderspielen hat Balogun nun elf Tore erzielt. Seine beiden Treffer zum 4:1 gegen Paraguay lösten gewaltige Emotionen aus.
Ich bin extrem stolz darauf, dass sich bei meiner Reise nun ein Kreis geschlossen hat, sagte er danach erkennbar gerührt.
Die sportliche Realität zeigt ein differenziertes Bild. Für die englische A-Auswahl hätte es Balogun vermutlich nicht gereicht. Für die USA hingegen sind seine Referenzen mehr als ausreichend. Bei der AS Monaco erzielte er 13 Tore in 30 Ligaspielen, hinzu kommen fünf Treffer in zehn Champions-League-Partien.
Im Teamquartier südlich von Los Angeles gab Balogun zu, dass er um den Goldenen Schuh mitschießen wolle. Mit dem Zählen der Konkurrenztore komme er allerdings nicht nach.
Es geht mir auf die Nerven, Spieler wie Messi, Mbappé oder Haaland zu sehen. In jedem Spiel schießen die ein Tor, sagte er im Scherz.
Am Freitag (4.00 MESZ/MagentaTV) steht das sportlich bedeutungslose Gruppenspiel gegen die Türkei an. Balogun wird wahrscheinlich nicht nachlegen können: Nach einer zweiten Gelben Karte wäre er für das Sechzehntelfinale am 2. Juli in Santa Clara gesperrt.
Was ist der 14. Verfassungszusatz der USA?
Der 14. Verfassungszusatz wurde 1868 nach dem Bürgerkrieg verabschiedet. Er garantiert allen Personen, die auf dem Territorium der Vereinigten Staaten geboren werden, automatisch die Staatsbürgerschaft, unabhängig von der Staatsangehörigkeit oder dem Aufenthaltsstatus der Eltern. Die Bestimmung diente ursprünglich dazu, die Rechte von ehemaligen Sklaven und deren Kindern zu sichern. Konservative Kräfte um Donald Trump versuchen, diesen Grundsatz durch eine Verfassungsänderung oder exekutive Maßnahmen auszuhöhlen.
Warum konnte Balogun für die USA spielen?
Folarin Balogun wurde am 3. Juli 2001 in Brooklyn, New York, geboren. Durch das im 14. Verfassungszusatz verankerte Geburtsortsprinzip erwarb er automatisch die US-Staatsbürgerschaft, obwohl er nur einen Monat in den USA lebte und in London aufwuchs. Die FIFA erlaubt Spielern mit mehrfacher Staatsbürgerschaft, sich für ein Land zu entscheiden, bevor sie für eine A-Nationalmannschaft Pflichtspiele absolviert haben. Balogun wählte im Frühjahr 2023 die USA.
