Tour de France Femmes: Niewiadoma entreißt Reusser auf dem Mont Ventoux das Gelbe Trikot
Die achte Etappe der Tour de France Femmes endete mit einer historischen Entscheidung auf dem Mont Ventoux. Kasia Niewiadoma vom deutschen Team Canyon//Sram gewann die Königinnenetappe und sicherte sich mit einem Soloritt auf den letzten neun Kilometern das Gelbe Trikot. Die 31-jährige Polin setzte sich damit gegen ihre schärfsten Konkurrentinnen durch, die taktisch uneins blieben.
Wie gelang Niewiadoma der Sieg auf dem Mont Ventoux?
Niewiadoma attackierte neun Kilometer vor dem Gipfel und fuhr solo ins Ziel. Es war ihr erster Etappensieg bei der Tour de France Femmes überhaupt. Im Ziel erklärte sie, dass es ihr nicht primär um den Sieg, sondern um die Gesamtwertung gegangen sei. Die Strategie ihres Teams, mit einer Doppelspitze aus Niewiadoma und Antonia Niedermaier zu fahren, ging voll auf. Niedermaier, die das Trikot der besten Nachwuchsfahrerin verteidigte, kam kurz nach ihrer Teamkollegin ins Ziel und fiel ihr minutenlang um den Hals. „You are the queen!“, rief sie emotional.
Warum scheiterte die Konkurrenz?
Demi Vollering und Marlen Reusser, die vor der Etappe die Spitze der Gesamtwertung bildeten, verloren entscheidende Zeit. Statt Niewiadomas Angriff gemeinsam zu kontern, lieferten sie sich ein taktisches Katz-und-Maus-Spiel. Reusser kritisierte Vollering nach dem Rennen scharf: „Sie hat uns beide um den Sieg gebracht.“ Vollering attackierte 800 Meter vor dem Ziel und holte 25 Sekunden auf, doch der Schaden war bereits angerichtet. Sie liegt nun 15 Sekunden hinter Niewiadoma, Reusser fiel auf den dritten Gesamtrang zurück, 39 Sekunden Rückstand.
Welche Rolle spielte der Wind?
Starker Wind mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde erschwerte die Bedingungen auf dem Mont Ventoux erheblich. Während viele Fahrerinnen damit kämpften, schien Niewiadoma davon unbeeindruckt. Ihre Erfahrung aus früheren Duellen mit Vollering, insbesondere dem denkwürdigen Finale 2024 auf Alpe d'Huez, als sie sich den Toursieg mit vier Sekunden Vorsprung sicherte, zahlte sich aus.
Wie geht es weiter in der Tour?
Zwei Etappen stehen noch aus. Die neunte Etappe von Sisteron nach Nizza könnte den Sprintern liegen. Das Finale am letzten Tag führt viermal über den anspruchsvollen Col d'Eze, der zum Schicksalsberg werden könnte. Niewiadoma erwartet keine ruhige Minute mehr. „Es wird ein Husarenritt“, sagte sie mit Blick auf die verbleibenden Herausforderungen.
FAQ: Tour de France Femmes und der Mont Ventoux
Warum ist der Mont Ventoux so bedeutend für die Tour?
Der Mont Ventoux, auch „Riese der Provence“ genannt, ist einer der ikonischsten Anstiege des Radsports. Seine steilen Rampen und unberechenbaren Windverhältnisse fordern selbst die besten Fahrerinnen heraus. Für die Tour de France Femmes war es die erste Befahrung des Berges überhaupt.
Was bedeutet der Sieg für das Team Canyon//Sram?
Der Sieg von Niewiadoma ist ein großer Erfolg für das deutsche Team. Es unterstreicht die taktische Stärke und den Teamgeist, die in den letzten Jahren aufgebaut wurden. Niewiadoma steht nun in jedem Jahr seit der Neuauflage 2022 auf dem Podest der Tour.
Photo: ARD-Sportschau