Ukraine weitet Angriffe auf russische Logistik und Industrie aus
Bei einer neuen Angriffswelle hat die Ukraine gezielt ein Wildberries-Lagerhaus und eine Ölraffinerie in Wolgograd getroffen. Gleichzeitig setzte Russland massive Luftschläge gegen ukrainische Städte fort, die mindestens zehn Todesopfer forderten. Ein russischer Marschflugkörper drang zudem in den polnischen Luftraum ein und stürzte nahe der Grenze ab.
Welche Ziele wurden in Wolgograd getroffen?
Ukrainische Drohnen setzten in der Millionenstadt Wolgograd, dem früheren Stalingrad, ein weiteres Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries sowie eine Ölraffinerie in Brand. Gouverneur Andrej Botscharow bestätigte auf Telegram fünf Verletzte durch die Einschläge. Neben den Industrieobjekten wurden ein Wohnblock und ein privates Wohnhaus beschädigt. Wildberries selbst bestätigte den Treffer in seinem Lagerhaus. Die Behörden mussten wegen der Größe des Feuers zusätzliche Löschkräfte anfordern.
Wie reagierte Russland auf die ukrainischen Angriffe?
Russland antwortete mit massiven Raketen- und Drohnenschlägen gegen ukrainische Städte. Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete von mehr als 70 Marschflugkörpern und ballistischen Raketen sowie über 280 Angriffsdrohnen, von denen mehr als 260 abgefangen werden konnten. Landesweit gab es mindestens zehn Tote und Dutzende Verletzte. Besonders schwer traf es die Stadt Lwiw im Westen der Ukraine nahe der polnischen Grenze.
Welche Rolle spielt Polen in dem Konflikt?
Ein mutmaßlich russischer Marschflugkörper drang in den polnischen Luftraum ein und stürzte nahe der Ortschaft Tarnawa Kolonia ab, rund 90 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Polens Regierungschef Donald Tusk erklärte, alles deute auf eine russische CH-101-Rakete hin, man wolle aber die Untersuchungsergebnisse abwarten. Die polnische Luftwaffe hatte zuvor Kampfjets und ein Frühwarnflugzeug aufsteigen lassen. Verletzt wurde durch den Absturz niemand.
Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Blockade der Schwarzmeerhäfen?
Wichtige Eisenerz-Exporteure der Ukraine müssen wegen der Blockade der Schwarzmeerhäfen die Förderung vorübergehend einschränken. Der Chef des Bergbaukombinats Poltawa, Viktor Lotous, kündigte einen Stillstand von 10 bis 20 Tagen an. Drei von vier Schiffen mit Eisenerzkonzentrat könnten nicht auslaufen. Ein Schiff sei zudem von einer russischen Drohne beschädigt worden, wobei ein Matrose ums Leben kam. Auch das Bergbaukombinat von Krywyj Rih hat die Förderung in seinem Tagebau eingeschränkt.
Welche neuen Waffen setzt Russland ein?
Selenskyj erklärte, Russland habe erstmals seit längerer Zeit wieder eine Rakete aus Nordkorea eingesetzt. Diese habe ein Wohnhaus einer Großfamilie in Raduschne bei Krywyj Rih getroffen, wobei sechs Menschen ums Leben kamen. Er warf Moskau vor, sich mit dem „wahnsinnigen Regime in Nordkorea“ zu verbünden, um Waffen und Soldaten zu bekommen.
Was geschah mit dem ukrainischen Ex-Verteidigungsminister?
Der entlassene ukrainische Ex-Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow bekräftigte seine Bereitschaft zur Rückkehr ins Amt. In einem Interview erklärte er, ihm seien mehrere neue Positionen angeboten worden, doch werde er keinen „dekorativen Posten“ annehmen. Den konkreten Anlass für seine Entlassung kenne er nicht. Mit dem ebenfalls entlassenen Armeechef Olexander Syrskyj habe er keinen persönlichen Streit gehabt, sondern einen „weltanschaulichen Konflikt“.
Wie reagiert die EU auf die Flucht ukrainischer Männer?
Fast 4,4 Millionen Menschen aus der Ukraine haben bisher in der EU Schutz gefunden. Doch die EU erschwert ukrainischen Männern nun die Flucht: Wehrfähige Ukrainer profitieren in Deutschland und anderen EU-Staaten künftig nicht mehr von vereinfachten Aufnahmeregeln. Die entsprechende Verordnung wird in Kürze im EU-Amtsblatt veröffentlicht und tritt einen Tag später in Kraft.