Historischer Moment bei Olympischen Winterspielen: Erster offen trans Athlet am Start
Bei den Olympischen Winterspielen in Italien schreibt der schwedische Ski-Freestyler Elis Lundholm Geschichte. Als erster offen trans Athlet nimmt er an den Spielen teil und zeigt damit wichtige gesellschaftliche Fortschritte im Leistungssport auf.
Lundholm startet in der Frauenkategorie
Der 23-jährige Lundholm identifiziert sich als Mann, tritt jedoch in der Frauenkategorie an. Der Grund liegt darin, dass er seinen Geschlechtseintrag bislang nicht ändern ließ und keine geschlechtsangleichenden Maßnahmen vorgenommen hat. "Körperlich bin ich mit einem weiblichen Geschlecht geboren", erklärte er gegenüber der schwedischen Zeitung "Aftonbladet". "Körperlich habe ich keinerlei Vorteile gegenüber meinen Konkurrentinnen."
Nach der ersten Qualifikation auf der Buckelpiste in Livigno landete Lundholm auf dem letzten Platz und verpasste den Finaleinzug. Am Mittwoch muss er die zweite Qualifikation bestreiten.
Unterstützung statt Anfeindungen
Sein Coming-out vollzog der Freestyler bereits vor rund fünf Jahren, als er auch seinen Namen änderte. Anders als befürchtet, erfuhr er keine Anfeindungen. "Freunde und Familie haben mich unterstützt", berichtete Lundholm. Dennoch schloss er vor den Spielen vorsichtshalber seine Social-Media-Accounts, da das Thema unmittelbar vor Olympia stark an Aufmerksamkeit gewonnen habe.
Unterschied zu bisherigen kontroversen Fällen
Lundholms Fall unterscheidet sich deutlich von früheren Kontroversen. Bei den Sommerspielen 2021 sah sich die neuseeländische Gewichtheberin Laurel Hubbard massiver Kritik ausgesetzt. Noch härter traf es 2024 die algerische Boxerin Imane Khelif, die trotz ihrer Nicht-Trans-Identität Hassbotschaften und sogar Todesdrohungen erhielt.
Der entscheidende Unterschied: Lundholm startet weiterhin in der Kategorie, in der er sein ganzes Leben angetreten ist. Selbst bei einer eventuellen offiziellen Geschlechtsänderung wäre kaum mit vergleichbarer Aufmerksamkeit zu rechnen, da bisher hauptsächlich trans Frauen im Fokus der Diskussionen standen.
Neue Regularien in Vorbereitung
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) überlässt derzeit den Weltverbänden die Entscheidung über die Teilnahmebedingungen für trans Athletinnen und Athleten. In vielen Disziplinen werden sie mittlerweile weitgehend ausgeschlossen.
Laut Reuters sollen noch in der ersten Jahreshälfte neue, einheitliche Teilnahmebedingungen bekannt gegeben werden. Unter der neuen IOC-Präsidentin Kirsty Coventry dürften die Regularien für trans Frauen weiter verschärft werden, da sie ankündigte, "die Frauenkategorie schützen zu wollen".
Lundholms historische Teilnahme zeigt dennoch wichtige gesellschaftliche Entwicklungen auf und könnte den Weg für eine inklusivere Zukunft im Leistungssport ebnen.