Straße von Hormus: Teheran stellt Bedingungen vor Wiedereröffnung
Die Verhandlungen zwischen Iran und Oman über die strategisch wichtige Straße von Hormus kommen voran. Doch bevor die Öltanker-Route wieder freigegeben wird, verlangt Teheran harte Zugeständnisse von den USA. Die Lage bleibt angespannt.
Welche Forderungen stellt der Iran?
Der iranische Nationale Sicherheitsrat, das höchste Entscheidungsgremium des Landes unter Leitung von Präsident Massud Peseschkian, hat eine Liste von Bedingungen veröffentlicht. Diese wurden von iranischen Staatsmedien verbreitet und fordern von den USA unter anderem: Die USA dürften die Islamische Republik nie wieder bedrohen, den Krieg gegen Iran und seine Verbündeten in der Region beenden, die Seeblockade iranischer Häfen aufheben und ihre Streitkräfte aus dem Gebiet abziehen. Zudem müsse Washington Kriegsschäden entschädigen, Sanktionen aufheben und eingefrorene Vermögenswerte bedingungslos freigeben.
Von diesen Forderungen werde der Rat nicht abweichen, zitierte der regierungstreue Sender Press TV aus der Erklärung.
Wie reagieren die USA?
Von offizieller US-Seite gab es zunächst keine direkte Reaktion. Beobachter vor Ort gehen davon aus, dass die Regierung unter Präsident Donald Trump diese Bedingungen nicht akzeptieren wird. Möglicherweise werde Trump nun wieder militärische Schritte in Betracht ziehen, also neue massive Angriffe. Noch vor wenigen Tagen hatte der US-Präsident vor Journalisten eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus in dieser Woche nicht ausgeschlossen.
Worum geht es bei den Verhandlungen?
Die Führung in Teheran hatte die Forderungen bereits früher einmal aufgestellt. Sie waren Bedingung in den Verhandlungen über ein dauerhaftes Abkommen mit den USA, in dem es auch um das iranische Atomprogramm ging. Nun werden sie zur Voraussetzung für eine Vereinbarung gemacht, die lediglich auf die Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus abzielt. Vor Beginn der US-israelischen Angriffe auf Ziele in Iran Ende Februar verlief rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransporte durch diese Wasserstraße.
Iran verhandelt seit geraumer Zeit mit dem Sultanat Oman, das auf der gegenüberliegenden Seite des Persischen Golfs liegt. Bei den Gesprächen geht es darum, wie Schiffspassagen in der Straße von Hormus künftig ablaufen sollen. Beide Staaten erklärten, eine Einigung sei nahe.
Was sagt der iranische Außenminister?
Irans Außenminister Abbas Araghtschi bekräftigte am Sonntag, eine Einigung über die Wiedereröffnung der Straße von Hormus bedeute nicht, dass die Wasserstraße auch für den Schiffsverkehr freigegeben werde. Zunächst müssten die USA die Forderungen aus Teheran erfüllen.
Wie ist die aktuelle Lage auf See?
Das Außenministerium in Oman verurteilte wiederholte Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus, ohne Iran beim Namen zu nennen. Am Samstag machten die Vereinigten Arabischen Emirate die Islamische Republik für einen Raketenangriff auf einen Tanker des staatlichen Ölkonzerns ADNOC verantwortlich. Später teilte die britische Meeressicherheitsbehörde UKMTO mit, vor Omans Küste sei ein Schiff von einem Geschoss unbekannter Herkunft getroffen worden. Ein dadurch ausgelöster Brand sei gelöscht worden. Die Besatzung sei unverletzt. Unklar blieb, ob sich beide Seiten auf das selbe Schiff bezogen.
Was passiert im Roten Meer?
Unterdessen griff die von Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen nach eigenen Angaben abermals eine saudische Ölanlage am Roten Meer an. Die Miliz habe erfolgreich die Aramco-Ölraffinerie im Dschisan mit einer Drohne attackiert, erklärte ein Sprecher der Islamisten. Zuvor hatte das Energieministerium in Riad mitgeteilt, Einsatzkräfte hätten einen Brand in der Raffinerie von Dschisan unter Kontrolle gebracht. Die Anlage war bereits im Juli Ziel von Huthi-Angriffen gewesen. Die Raffinerie gehört dem saudischen Ölkonzern Saudi Aramco, der als weltweit größte Erdölfördergesellschaft gilt. Aramco liefert täglich Millionen Liter Rohöl über die Ost-West-Pipeline, die Anlagen des Unternehmens am Persischen Golf mit den Exportterminals am Roten Meer verbindet.
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