Sicherheitsexpertin warnt vor Russlands langfristigen Zielen nach Ukraine-Krieg
Die Sicherheitsexpertin Jana Puglierin sieht den Ausgang des Ukraine-Kriegs als entscheidend für Europas Zukunft. In ihrem neuen Buch "Wer verteidigt Europa?" analysiert die Leiterin des Berliner Büros des European Council on Foreign Relations die Herausforderungen für den Kontinent.
Russlands wahre Absichten gehen über Landgewinn hinaus
Laut Puglierin verfolgt Wladimir Putin mit dem Ukraine-Krieg ein größeres Ziel als die bloße Eroberung von Territorium. "Russland will die Sicherheitsordnung und das Gleichgewicht in Europa verändern. Es will sich nicht integrieren und einfügen, sondern eine Großmacht mit Veto sein", erklärt die Expertin.
Besonders problematisch sei, dass Russland militärische Gewalt als normales Instrument der Großmachtpolitik betrachte. Erfolge in Syrien und Georgien hätten diese Strategie bereits bestätigt.
Gefahr für NATO und EU durch begrenzte Angriffe
Puglierin warnt vor einem "begrenzten Zwischenfall", der das Vertrauen in die NATO erschüttern könnte. "Wenn man nicht uneingeschränkt zueinander steht, sind EU und NATO obsolet", betont sie. Die aktuellen Spannungen um Grönland verdeutlichten bereits diese Gefahr für die westliche Solidarität.
Die Expertin sieht die Möglichkeit, dass Russland "mit einem kleineren Angriff das ganze System ins Wanken bringen könnte".
Bedeutung des Kriegsausgangs für Europas Sicherheit
Der Ausgang des Ukraine-Konflikts wird nach Puglierins Einschätzung maßgeblich beeinflussen, wie Russland seine Ziele künftig verfolgt. "Wenn Russland mit dem Ende des Ukraine-Kriegs gestärkt vom Feld ginge, dann macht es allerdings einmal mehr die Erfahrung, seine Ziele auf militärischem Wege erreicht zu haben."
Entscheidend seien mögliche Sicherheitsgarantien und die Frage, wie sehr Russland einen erneuten Krieg in der Ukraine fürchten müsse.
Plädoyer für kontrollierten Dialog mit Moskau
Trotz der angespannten Lage spricht sich Puglierin für die Wiederaufnahme von Kontakten zu Russland aus. "Wir steuern auf eine konfliktreiche Zukunft zu. Und wir sollten von beiden Seiten Interesse haben, dass diese Konflikte nicht außer Kontrolle geraten."
Europa benötige eine umfassende Russland-Strategie, die über die Unterstützung der Ukraine hinausgehe. Dabei müsse eine Balance zwischen starker Abschreckung und der klaren Kommunikation friedlicher Absichten gefunden werden.
Die Expertin sieht langfristig sogar die Möglichkeit einer Rückkehr zu Rüstungskontrollverhandlungen, sollte der wirtschaftliche Druck auf beide Seiten ausreichend groß werden.