Historisches Gasthaus "Löwen" übersteigt Budget um 851.000 Euro
Die Sanierung des denkmalgeschützten Gasthauses "Löwen" in Kißlegg entwickelt sich zu einem kostspieligen Desaster für die Gemeinde. Was ursprünglich als Vorzeigeprojekt geplant war, kostet nun 5,8 Millionen Euro – 851.000 Euro mehr als zuletzt kalkuliert.
Versteckte Schäden treiben Kosten in die Höhe
In einer Sondersitzung des Gemeinderats erläuterte Architekt Wolff Stottele die dramatischen Mehrkosten. Besonders die Zimmer- und Holzbauarbeiten schlagen mit zusätzlichen 320.000 Euro zu Buche. "Die Substanz des alten Gebäudes ist deutlich schlechter als gedacht", erklärte Stottele. Fachwerk, Decken und Dachstuhl erwiesen sich als maroder als ursprünglich angenommen.
Weitere Kostentreiber sind das aufwendige Gerüst mit längerer Standzeit (117.000 Euro Mehrkosten) und umfangreichere Maurerarbeiten (148.500 Euro). Auch die Fensterbauarbeiten verteuerten sich um 115.000 Euro.
Bürgermeister räumt Planungsfehler ein
Bürgermeister Dieter Krattenmacher zeigte sich selbstkritisch: "Wenn wir gewusst hätten, dass der Löwen so eine Bruchbude ist, wäre die Diskussion anders gelaufen." Trotz Gutachtern und Fachberatung sei das wahre Ausmaß der Schäden nicht erkannt worden.
Das Problem ist nicht auf Kißlegg beschränkt. Bauamtsleiter Manfred Rommel verwies auf ähnliche Fälle, etwa die Sanierung des 600 Jahre alten Kornhauses in Ravensburg, deren Kosten von 12,6 auf mindestens 22 Millionen Euro explodierten.
Weitere Risiken drohen
Die Kostenexplosion könnte noch nicht das Ende sein. Der Dachstuhl gilt als "absolutes Risikogewerk", dessen tatsächlicher Sanierungsaufwand erst während der Arbeiten sichtbar wird. Auch bei Außenputz und Innenausstattung drohen weitere Mehrkosten.
Die ursprünglich geplante Fertigstellung bis September ist fraglich. Architekt Stottele warnte: "Es kann auch der 25. November werden."
Finanzierung durch Umschichtung geplant
Um die Mehrkosten zu stemmen, will die Gemeinde Fördermittel umschichten. Das Löwen-Projekt soll ins Stadtsanierungsprogramm aufgenommen werden. Falls das scheitert, sollen bereits für den Kindergarten St. Hedwig vorgesehene Mittel verwendet werden.
Die Gemeinde hofft auf Bundesmittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur, aus dem Kißlegg bereits 5,5 Millionen Euro erhielt. "Die Bundesmittel retten uns quasi", so Krattenmacher optimistisch.
Kritik an Kostenmanagement
Im Gemeinderat regte sich Kritik am Projektmanagement. CDU-Rat Michael Fick betonte die Notwendigkeit, aus den Fehlern zu lernen: "Was ändern wir in Zukunft?" Ein von der FWK-Fraktion geforderter Kostendeckel fand jedoch keine Mehrheit.
SPD-Rat Peter Killat verteidigte das Projekt trotz der Kostensteigerungen: Die denkmalgerechte Sanierung sei nicht mit einem Neubau zum Festpreis vergleichbar. Das investierte Geld sei sinnvoll angelegt.
Die Gemeinde rechnet perspektivisch mit jährlichen Mieteinnahmen von 20.000 bis 25.000 Euro aus dem sanierten Gebäude, um den laufenden Betrieb mitzufinanzieren.