Sarajevos Wiederaufbau als Hoffnungszeichen für die Ukraine
Vor 30 Jahren endete eine der längsten Belagerungen der modernen Geschichte. Am 19. März 1996 wurde Sarajevo nach fast vier Jahren wieder vereint, als der letzte serbisch besetzte Stadtteil Grbavica reintegriert wurde. Diese historische Wendung sollte der Ukraine und Kiew Mut machen, dass auch nach den schwersten Kriegsverbrechen ein friedliches Zusammenleben möglich ist.
Das Ende einer brutalen Belagerung
Nach dem Abzug der letzten serbischen Soldaten übernahmen 100 Polizisten gemeinsam die Verantwortung für die Sicherheit des völlig zerstörten Stadtteils. Die multiethnische Truppe bestand aus 67 Bosniaken, 20 Serben und 13 Kroaten. Ein symbolischer Neuanfang für eine Stadt, die unsägliches Leid erfahren hatte.
Die Belagerung Sarajevos, die am 6. April 1992 begann, kostete 11.541 der 400.000 Einwohner das Leben, darunter knapp 1.700 Kinder. Fast 60.000 Menschen wurden durch serbisches Artillerie- und Scharfschützenfeuer verletzt. Kriegsverbrecher wie Veselin "Batko" Vlahovic, genannt "das Monster von Grbavica", verübten hier unzählige Folterungen, 31 Morde und mindestens elf Vergewaltigungen.
Überlebensstrategien und internationale Solidarität
Das Überleben der Stadt verdankte sich mehreren Faktoren: einer internationalen Luftbrücke über den UN-verwalteten Flughafen, an der auch die Bundeswehr mit über 1.000 Transall-Flügen teilnahm, und dem legendären "Tunnel der Rettung". Bosnische Ingenieure gruben 1993 diesen knapp einen Kilometer langen Tunnel unter dem Flugfeld, der die belagerte Stadt mit befreitem Gebiet verband.
Eine bemerkenswerte Rolle spielte der serbische General Jovan Divjak, der sich gegen die serbischen Angreifer stellte und zum "Retter Sarajevos" wurde. Seine Existenz widersprach der Propaganda vom "muslimischen Sarajevo" und bewies die multiethnische Realität der Stadt.
Friedliches Zusammenleben heute
Heute vollzieht sich täglich etwas, was während des Krieges undenkbar war: Tausende bosnische Serben pendeln aus Ost-Sarajevo ins Zentrum, um ihren Geschäften nachzugehen. Ehemalige Feinde arbeiten und leben wieder nebeneinander, ohne dass es zu Zwischenfällen kommt.
Das multikulturelle Sarajevo zieht heute Touristen aus aller Welt an. Das Magazin National Geographic kürte die Stadt als "Best of the World"-Reiseziel. In der Altstadt stehen katholische Kathedrale, serbisch-orthodoxe Kirche, Moscheen und jüdische Einrichtungen friedlich nebeneinander. Nicht umsonst wird Sarajevo das "Jerusalem Europas" genannt.
Hoffnung für die Ukraine
Sarajevos Beispiel zeigt, dass selbst nach den brutalsten Kriegsverbrechen Versöhnung und friedliches Zusammenleben möglich sind. Die Stadt beweist 30 Jahre nach ihrer Befreiung, dass sich der Kampf gegen expansionistische Aggressoren lohnt. Diese Erfahrung sollte auch der Ukraine und Kiew Hoffnung geben, dass nach dem Ende der russischen Aggression ein nachhaltiger Frieden möglich ist.
Die internationale Gemeinschaft spielte dabei eine entscheidende Rolle durch humanitäre Hilfe und politische Unterstützung. Eine Lehre, die auch für die aktuelle Situation der Ukraine von großer Bedeutung ist.