Ostsee-Urlaub: Warnemünde wird für viele zu teuer
Die Zeiten, in denen Warnemünde die deutlich günstigere Alternative zu Sylt oder Timmendorf war, sind vorbei. Die Preise für Hotels und Gastronomie an der Ostsee steigen spürbar. Für viele Urlauber bedeutet das eine Einschränkung: Statt mehrtägiger Aufenthalte werden oft nur noch Tagesausflüge gemacht. Eine Entwicklung, die soziale Schieflagen im Tourismus offenbart.
Übernachtungen zwischen 19 und 430 Euro
Wer in Warnemünde übernachten möchte, findet eine enorme Preisspanne. Im Luxussegment ruft das Hotel Neptun ab 430 Euro pro Nacht auf, das Baltic Hideaways Beach Hotel bis zu 398 Euro. Im gehobenen Mittelklassebereich liegen das Park-Hotel Hübner bei 240 bis 280 Euro und das Hotel Am Leuchtturm bei 150 bis 350 Euro. Günstigere Alternativen bieten kleine Pensionen oder das Dock Inn Hostel, wo ein Bett im Schlafsaal ab rund 19 Euro zu haben ist. Doppelzimmer in einfachen Hotels kosten jedoch oft 150 bis 200 Euro.
Tagesausflüge statt Übernachtungen
Die gestiegenen Preise verändern das Urlauberverhalten. Immer mehr Besucher beschränken sich auf einen Tagesausflug an die Ostsee. Ein Eis, ein Fischbrötchen und ein Strandspaziergang, dann geht es zurück nach Brandenburg oder Sachsen-Anhalt.
Wir waren erst neulich in der Türkei und fliegen dort im Sommer auch wieder hin, sagt ein Seniorenpaar, das sich nur den Tagesausflug nach Warnemünde leistet.
Auch ein Paar aus Potsdam reist nur für den Tag an. Eine Übernachtung kommt für sie nicht infrage. Die Hotels seien schlicht zu teuer, das Wetter zu unbeständig. Wer dennoch übernachtet, spricht ungern über die Kosten. Es wird doch alles teurer. Wir wollen nicht klagen, lautet eine häufig gehörte Devise. Eine Haltung, die die finanzielle Belastung stillschweigend akzeptiert.
Ost- und Westvergleich: Wie lange noch?
Warnemünde bewegt sich im Vergleich der deutschen Ostseebäder im oberen Segment und liegt etwa auf dem Niveau von Travemünde, tendenziell aber vor vielen Regionen auf Usedom, erklärt Andreas Szabó, Regionalvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Rostock.
Aktuelle Marktbeobachtungen zeigen, dass die Nordseeküste, insbesondere Sylt oder die Ostfriesischen Inseln, im Durchschnitt noch deutlich über den Ostseebädern liegen. Die Frage ist jedoch, wie lange diese Lücke noch besteht.
Strukturelle Gründe für die Preissteigerungen
Die steigenden Preise in Warnemünde haben handfeste Gründe. Frank Martens vom Tourismusverein Rostock und Warnemünde sowie Direktor des Ringhotels Warnemünder Hof verweist auf die deutlich gestiegenen Lohnkosten in der Hotelbranche. Zwar sind höhere Löhne ein notwendiger sozialer Fortschritt, sie treiben jedoch die Betriebskosten.
Zeitgleich haben wir in der Region im Vergleich mit anderen Destinationen auch in Teilbereichen höhere Kosten, wie Strom, Wasser oder Müllgebühren, sodass wir im Vergleich sicherlich im oberen Durchschnitt liegen, so Martens. In der Hochsaison liege Warnemünde im Hotelbereich noch leicht unter Binz oder Timmendorf. In der Gaustromie jedoch befinde sich der Ort mindestens auf dem Niveau von Schleswig-Holstein. Solange die Kosten für Energie und Ressourcen nicht sozial und ökologisch gerecht verteilt werden, zahlen am Ende die Konsumenten die Zeche.