Nosferatu-Spinne im Herbst: Warum sie in Berliner Wohnungen krabbelt
Die Nosferatu-Spinne ist im Herbst auf Partnersuche und dringt dabei vermehrt in Berliner Wohnungen ein. Ein Biologe erklärt, warum die Begegnung mit dem Krabbeltier meist harmlos ist und wie man sich verhalten sollte.
Wie gefährlich ist der Biss der Nosferatu-Spinne wirklich?
Die Wahrscheinlichkeit, von einer Nosferatu-Spinne gebissen zu werden, ist minimal. Das betont Dr. Thassilo Franke, Biologe an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Zwar gehört die Art zu den wenigen Spinnen in unseren Breiten, die mit ihren Giftklauen die menschliche Haut durchdringen können. Sie beißt jedoch nur in absoluten Notsituationen, etwa wenn sie eingeklemmt wird.
Selbst dann kann sie nur an dünneren Hautstellen wie dem Unterarm oder Handrücken zubeißen. Laut Franke ist ein Biss mit einem Mückenstich vergleichbar. Meist sei er harmlos, selten reagierten Menschen allergisch.
Warum sind die Spinnen im Herbst so präsent?
Der Lebenszyklus der Nosferatu-Spinne ist der Hauptgrund für ihre erhöhte Präsenz im Herbst. Die Art vollzieht ihr gesamtes Leben innerhalb eines Jahres. Im Frühherbst häuten sich die Tiere zum letzten Mal und werden geschlechtsreif. Die männlichen Tiere sind dann auf der Suche nach Weibchen in Häusern unterwegs, erklärt Franke.
Einer aktiv herumkrabbelnden Spinne begegnet man meist abends und nachts. Im Sommer, wenn die Tiere noch nicht ausgewachsen und kleiner sind, sind sie unauffälliger als im Herbst, wo sie bereits eine stattliche Größe erreichen.
Wie erkennt man die Nosferatu-Spinne?
Im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Hauswinkelspinne ist die Nosferatu-Spinne wesentlich massiger. Sie hat viel dickere Beine und einen wuchtigeren Körper, so Franke. Die Körperlänge beträgt bis zu zweieinhalb Zentimeter, die Beinspannweite bis zu sieben Zentimeter. Die Musterung auf dem Vorderkörper erinnert an einen Vampir, daher der unheimliche Name.
Wo in Berlin findet man die Spinne?
In Städten ist die Nosferatu-Spinne häufiger nachgewiesen als auf dem Land. Im urbanen Raum fällt ihr das Leben leichter: Im Winter ist es wärmer als auf dem Land, und durch die dichtere Bebauung können die Tiere leichter von einem Gebäude zum anderen wechseln.
Die Spinnen sind nicht auf Erdgeschosswohnungen beschränkt. Sie besitzen Haarbüschel an den Fußspitzen und klettern damit an glatten Oberflächen mühelos empor. Deshalb kann man ihnen auch im dritten oder vierten Stock begegnen. Selbst Glasscheiben sind kein Hindernis.
Was tun, wenn die Spinne in der Wohnung sitzt?
Frankes erster Rat: Die Spinne in Ruhe lassen. Sie will uns nichts Böses und fürchtet sich eher vor uns Menschen. Wer die Spinne nicht in der Wohnung haben möchte, kann sie vorsichtig nach draußen setzen. Dazu ein Glas über das Tier stülpen, einen festen Karton zwischen Glas und Untergrund schieben und die Spinne hinausbringen.
Wie kam die Nosferatu-Spinne nach Deutschland?
Ursprünglich stammt die Spinne aus Südeuropa. 2005 wurde sie erstmals in Deutschland in Freiburg im Breisgau nachgewiesen, 2015 in Bayern in Schweinfurt. Wahrscheinlich gelangte sie schon vor Jahrzehnten als blinder Passagier nach Deutschland, konnte sich aber wegen der Kälte nicht dauerhaft halten.
Aus Gründen des Klimawandels und der Erderwärmung gelingt ihr das immer besser, erklärt Franke. Die Nosferatu-Spinne ist bei uns heimisch geworden, und wir werden sie auch nicht mehr los.