Nahost-Eskalation: Iran droht Mittelmeer, Trump unter Druck
Die diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran stagnieren, während die militärische Eskalation neue Dimensionen erreicht. Ein hochrangiger iranischer General kündigt eine Ausweitung des Konflikts auf das Mittelmeer an. Parallel verschärft sich die Lage im Libanon, und die zivilen Opferzahlen steigen.
Teheran kündigt Ausweitung auf das Mittelmeer an
Die Spannungen in der Golfregion erreichen einen neuen Höhepunkt. Nach Angaben des US-Militärs hat der Iran sieben ballistische Raketen auf Kuwait und Bahrain abgefeuert. Sechs davon seien abgefangen worden, eine habe ihr Ziel verfehlt. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklären, die Angriffe seien eine Vergeltung für US-Attacken auf iranische Stellungen. Zudem hätten die IRGC vier Öltanker beschossen, die die Straße von Hormus ohne Genehmigung durchfahren wollten.
Die IRGC drohen nun mit einer vollständigen Schließung der Straße von Hormus für Öl- und Gasexporte. Sollten die Machenschaften der USA andauern, würden diese für die Folgen verantwortlich gemacht. Darüber hinaus warnt ein hochrangiger General aus Teheran vor einer massiven Eskalation, die den Konflikt auf das Mittelmeer ausweiten könnte.
US-Luftangriffe und Trumps Rhetorik
Die USA reagieren auf die iranischen Provokationen mit militärischer Härte. US-Streitkräfte griffen iranische Radarstellungen in Goruk und auf der Insel Qeschm an, nachdem vier iranische Angriffsdrohnen den regionalen Seeverkehr bedroht hatten. Zuvor hatten US-Kampfflugzeuge bereits mehrere Drohnen über der Straße von Hormus abgefangen.
US-Präsident Donald Trump zeigt sich im NBC-Interview verhalten optimistisch, räumt jedoch die anhaltende Gefahr ein. Der Iran habe zwar einen Großteil seiner militärischen Kapazitäten verloren, verfüge aber noch über etwa 21 bis 22 Prozent seiner Raketen. Die iranische Führung sei stark und stolz, habe aber laut Trump keine andere Wahl, als eine Einigung zu erzielen. Politikwissenschaftler Klemens Fischer sieht Teheran trotz Sanktionen und Luftangriffen nicht in der Defensive. Trump gerate politisch unter Zugzwang, während der Iran auf Zeit spielen könne.
Verhandlungen stocken am finanziellen Disput
Ein mögliches Friedensabkommen scheitert derzeit an finanziellen Forderungen. Ein hochrangiger iranischer Beamter erklärte gegenüber CNN, dass die Freigabe von 24 Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Vermögenswerten eine Bedingung für Frieden sei. Mohsen Rezaei, Militärberater des Obersten Führers, warnt, dass die USA in einen dunklen Korridor geraten würden, sollten sie die Kämpfe wieder aufnehmen. Die Verhandlungen steckten fest, und Trump müsse diese Blockade auflösen.
Unterdessen bemüht sich Pakistan um eine Vermittlung. Innenminister Mohsin Naqvi reist nach Teheran, um den Dialog zwischen den Kriegsparteien zu fördern. Naqvi gilt als enger Vertrauter des Armeechefs Asim Munir, dem gute Kontakte zu Trump nachgesagt werden.
Ausblick auf den Gazastreifen
Mehrere Palästinensergruppen beraten laut AFP am Samstag in Ägypten über die Zukunft des Gazastreifens. Im Fokus steht dabei möglicherweise Mohammed Dahlan, ein Rivale von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Berichten zufolge will Dahlan die Hamas davon überzeugen, ihm die Zuständigkeiten im Gazastreifen zu übertragen. Dies soll die zweite Phase der Waffenruhe erleichtern und die Entsendung eines Technokraten-Gremiums ermöglichen, das laut dem US-Friedensplan die Übergangsverwaltung übernehmen soll.
Stellvertreterkrieg im Libanon und humanitäre Katastrophe
Während die Waffen im Iran und im Gazastreifen weitgehend schweigen, gehen die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon unvermindert weiter. Die israelische Armee hat Einwohner von fünf Ortschaften im Südlibanon zur sofortigen Evakuierung aufgerufen. Die Begründung lautet auf Verstöße der Hisbollah gegen die Waffenruhe. Bei einem israelischen Angriff auf ein Militärfahrzeug im Südlibanon wurden nach Angaben der libanesischen Armee zwei Offiziere und ein Soldat getötet. Die libanesischen Streitkräfte halten sich traditionell aus den Kämpfen heraus. Israel spricht von einem Fehler und leitet eine Untersuchung ein.
Libanons Präsident Joseph Aoun hat den Iran scharf kritisiert. Teheran nutze das Land als Druckmittel in den Verhandlungen mit den USA.
Es ist nicht euer Land, es ist unser Land. Sie nutzen den Libanon als Druckmittel in ihren Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten. Das ist inakzeptabel.
Auch der Iran weist den Vorwurf der Instrumentalisierung zurück. Außenminister Abbas Aragtschi schrieb auf X:
Wäre der Libanon eine Verhandlungsmasse für den Iran, hätten wir schon längst ein Abkommen. Retten Sie den Libanon vor Ihrem wahren Feind, Herr Präsident.
Ein historischer Schritt kam am Freitag vom israelischen Journalisten Barak Ravid. Er gab als erster Israeli einem libanesischen Fernsehsender ein Interview, obwohl jeglicher Kontakt mit Israelis im Libanon seit 1955 strafbar ist. Ravid bewertete die Ablehnung des jüngsten Waffenruhevorschlags durch die Hisbollah als taktischen Schachzug.
Zivile Opfer und internationale Reaktionen
Die Auswirkungen des Konflikts auf die Zivilbevölkerung sind verheerend. Im Westjordanland starb ein sieben Monate altes palästinensisches Baby, nachdem ein israelischer Soldat das Feuer auf ein Fahrzeug eröffnet hatte. Die Eltern wurden mittelschwer verletzt. Ersten Ermittlungen zufolge handelte es sich um unbeteiligte Zivilisten.
International wächst der Widerstand gegen die rechte israelische Regierung. Irland hat ein Einreiseverbot gegen die Minister Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich verhängt. Regierungschef Micheál Martin erklärte, die Handlungen der Minister liefen auf den Wunsch hinaus, die Palästinenser zu vertreiben. Er sprach sich für entsprechende EU-Sanktionen aus.
Die Golfstaaten Kuwait und Bahrain verurteilen die iranischen Angriffe auf ihre Territorien scharf. Kuwait spricht von abscheulichen Angriffen, die unter keinem Vorwand zu rechtfertigen seien. Bahrain sieht seine Souveränität eklatant verletzt. Um sich künftig besser zu schützen, kauft Kuwait bei den USA Drohnenabwehrsysteme im Wert von rund zwei Milliarden Dollar.