Klinikchef kritisiert Hubschrauber-Standort-Entscheidung scharf
Die Entscheidung des Stuttgarter Innenministeriums für den Rettungshubschrauber-Standort Bavendorf stößt auf heftige Kritik. Sven Schönfeld, Geschäftsführer der SRH-Kliniken im Landkreis Sigmaringen, äußert deutliche Bedenken gegen die Wahl und plädiert für den ursprünglich favorisierten Standort Mengen.
Versorgung im ländlichen Raum gefährdet
Schönfeld sieht in der Ministeriumsentscheidung eine verpasste Chance für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. "Mengen wäre die bessere Entscheidung gewesen", erklärt er gegenüber der Presse. Der Regio-Airport liege deutlich zentraler im südöstlichen Baden-Württemberg und könne die Versorgungslücken direkter schließen.
Besonders problematisch sei die aktuelle Situation bei den Hilfsfristen: Derzeit erreichen Rettungskräfte nur in 80 Prozent der Fälle rechtzeitig ihre Patienten. "Auf dem Land dauert es zu lang, bis die Rettungskräfte eintreffen", kritisiert der Klinikchef. Zeitkritische Fälle wie Schlaganfälle oder Schädel-Hirn-Traumata würden unter dieser Verzögerung leiden.
Millionenschwere Kostenfrage
Neben den medizinischen Aspekten führt Schönfeld auch wirtschaftliche Argumente ins Feld. Die Neuinvestition in Ravensburg-Bavendorf bringe deutlich höhere Kosten mit sich, da dort die komplette Infrastruktur neu aufgebaut werden müsse. "Das Einsparpotenzial liegt im Millionenbereich", betont er mit Blick auf die bereits vorhandene Infrastruktur in Mengen-Hohentengen.
Der dortige Flugplatz verfüge bereits über Hangar, genehmigte Lärmschutzmaßnahmen und moderne Verfahren wie Instrumentenflug. Zudem sei die Liegenschaft bereits im Besitz des Landkreises Sigmaringen, was zusätzliche Kosten spare.
Strukturelle Vorteile übersehen
Für das SRH-Klinikum Sigmaringen hätte der Standort Mengen konkrete Verbesserungen gebracht: bessere Erreichbarkeit in Notfällen, schnellere Patientenverlegungen und eine Stärkung der Attraktivität als Arbeitgeber. "Aus medizinischer, struktureller und wirtschaftlicher Perspektive sprechen starke Argumente für Mengen", fasst Schönfeld seine Position zusammen.
Die Entscheidung für Bavendorf akzeptiere man zwar, jedoch bleibe die Kritik an der fachlichen Bewertung bestehen. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel müsse eine volkswirtschaftlich sinnvolle Lösung im Vordergrund stehen, die tatsächlich die Versorgungsprobleme im ländlichen Raum löse.