Freddy Quinn wird 95: Rückzug, Ruhe und ein neues Leben auf dem Bauernhof
Am 27. September feiert Freddy Quinn seinen 95. Geburtstag. Einst einer der größten Schlagerstars Deutschlands, lebt der Sänger seit fast zwei Jahrzehnten weitgehend zurückgezogen. Nach dem Tod seiner langjährigen Partnerin Lilli Blessmann im Jahr 2008 zog sich Quinn aus der Öffentlichkeit zurück. „Ich bin jetzt Rentner! Ende! Aus!“, erklärte er damals gegenüber der Bild-Zeitung. Diese Entscheidung prägt bis heute sein Leben.
Ein neues Leben abseits der Bühne
Quinn hat Hamburg inzwischen endgültig den Rücken gekehrt. Gemeinsam mit seiner Frau Rosi, die er 2023 im Alter von 91 Jahren heiratete, lebt er auf einem abgelegenen Bauernhof in Schleswig-Holstein. Der Verkauf seines langjährigen Hamburger Reetdachhauses dauerte zwei Jahre, bis sich ein passender Käufer fand. Der Umzug ist abgeschlossen, das Kapitel Hamburg offiziell beendet.
Bei der Hochzeit sorgte Quinn für einen denkwürdigen Moment: Zur Standesbeamtin sagte er laut Bild: „Sprechen Sie bitte laut, ich habe mein Hörgerät nicht drin. Aber keine Sorge: Ich hab schon mitbekommen, worum es hier geht.“
Seltene Einblicke: Die Autobiografie und der Abschied vom Seemanns-Image
Eines seiner seltenen Interviews gab Quinn 2025 anlässlich der Veröffentlichung seiner Autobiografie „Wie es wirklich war“. Darin räumte er mit einem der hartnäckigsten Irrtümer seiner Karriere auf: „Ein Seemann? Nein, das war ich nie. Beim besten Willen nicht. Trotzdem haftet dieses Image an mir wie ein alter Kaugummi unter der Schuhsohle“, sagte er. Das Bild sei ihm „übergestülpt wie ein Kostüm, das nicht richtig passte“. Mit den Legenden, die seiner Karriere halfen, wollte er endgültig aufräumen: „Es hat sich schon schön angefühlt, den ganzen Quatsch als Quatsch zu benennen.“
Wie verbringt Freddy Quinn seinen Alltag?
Musik spielt in Quinns Leben heute erstaunlich wenig Rolle. „Tatsächlich komme ich sehr gut durch den Tag, ohne dass das Radio läuft. Ich genieße lieber die Welt direkt um mich herum“, verriet er. Wenn er doch Musik hört, bevorzugt er Country. Zwei deutsche Künstler hebt er besonders hervor: „Peter Maffay finde ich gut, Roland Kaiser imponiert mir als Künstler.“
Seine Freude liegt heute in einfachen Dingen: „Gutes Essen macht mich froh“, sagte er 2025 der dpa. „Freude bereitet mir auch, Uhren zu reparieren oder über Flohmärkte zu bummeln. Klingt nicht sehr aufregend, nicht wahr? Aber so schlicht ist es: Servieren Sie mir einen Stapel Palatschinken, und Sie werden mich in größter Freude erleben.“
Gesundheit im hohen Alter: „Es meint wohl jemand gut mit mir“
Zu seinem 94. Geburtstag erklärte Quinn der dpa, dass es ihm für sein Alter hervorragend gehe. „Das mag für den einen oder anderen überraschend sein. Ich höre immer wieder, dass ich blind sei, dass es mit mir zu Ende gehe oder dass ich längst nicht mehr auf dieser Welt weilen würde.“ Das sei Unsinn. „Natürlich führe ich zu Hause keine Kunststücke mehr auf. Aber in Anbetracht meines Alters kann ich sagen: Es meint wohl jemand gut mit mir.“ Abgesehen von Knieproblemen und nachlassendem Gehör gebe es keinen Grund zur Klage, so Quinn.
Eine Karriere, die in St. Pauli begann
Quinn wurde in der „Washington Bar“ auf St. Pauli entdeckt. In den 1950er- und 1960er-Jahren feierte er mit seiner tiefen Baritonstimme zahlreiche Nummer-eins-Hits: „Heimweh“, „Die Gitarre und das Meer“ und „Junge, komm bald wieder“ wurden zu Klassikern. Es folgten zahlreiche Musikfilme. Heute lebt die Legende zurückgezogen, aber zufrieden. Wie er seinen 95. Geburtstag verbringen wird, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich bleibt es ruhig, im Kreise seiner Frau, auf dem Bauernhof in Schleswig-Holstein.
Quellen: Bild, dpa, t-online, Archiv