„Eine Nacht in Bangkok“: Nosbusch und Brandt über leise Filme und Elternsorgen
Der Film „Eine Nacht in Bangkok“ von Rainer Kaufmann ist die erste gemeinsame Arbeit von Matthias Brandt und Désirée Nosbusch. Das Drama, das das Erste am Mittwoch, 23. September, um 20.15 Uhr zeigt, erzählt von getrennten Eltern, die sich wegen ihrer erwachsenen Tochter wieder annähern. Im Gespräch mit teleschau sprechen die beiden Schauspieler über Selbstzweifel, die Sorge um erwachsene Kinder und die Faszination für perfekte Verbrechen.
Worum geht es in „Eine Nacht in Bangkok“?
Matthias Brandt spielt Hektor, einen Pfarrer, der orientierungslos durch sein Leben geht. Désirée Nosbusch verkörpert Katharina, seine Ex-Frau, die ein Yogastudio betreibt. Als ihre gemeinsame Tochter Lilith (Clara Vogt) verhaftet wird, führt das die Getrennten nach Jahren wieder zusammen. Der Film entzieht sich bewusst einer eindeutigen Genrezuordnung: Er ist kein klassischer Thriller und kein klassisches Drama, sondern im Kern eine Liebesgeschichte.
Warum trägt der Film den Titel „Eine Nacht in Bangkok“?
Der Titel verweist auf den Song „One Night in Bangkok“, der in einer Schlüsselszene des Films erklingt. Nosbusch erklärt: „Dieser Song und der Moment im Film, in dem er erklingt, bilden eine kleine Insel. Für einen Augenblick fällt alles von den Figuren ab, bevor es dann weitergeht.“ Brandt ergänzt: „Ich finde das Lied abscheulich, aber wirkungsvoll. Und ich fand es natürlich lustig, dass der Film so heißt und die Frage gleich mitliefert.“ Die ARD habe sich trotz möglicher Irritationen für den Titel entschieden, so Nosbusch.
Ein Plädoyer für leise Erzählungen
Nosbusch bezeichnet den Film als Herzensprojekt. Die Umsetzung habe Jahre gedauert, bis die richtigen Partner gefunden waren. Beim Münchner Filmfest wurde das Werk mit dem Bernd Burgemeister Fernsehpreis ausgezeichnet. Nosbusch sieht darin ein Zeichen der Zeit: „Die Konzentration auf Gefühle, auf menschliche Geschichten, auf das, was sich in uns abspielt. Vielleicht ist genau das etwas, wonach wir uns im Moment wieder mehr sehnen – nach Filmen, die nicht lauter sein wollen als das Leben selbst, sondern ihm aufmerksam zuhören.“
Elternsorgen hören nie auf
Beide Schauspieler sind selbst Eltern erwachsener Kinder. Brandt sagt: „Eltern bleiben Eltern. Das Kind kann 50 oder 60 sein, und man empfindet es noch immer als das eigene Kind.“ Nosbusch, deren Kinder in den USA leben, beschreibt den Alltag mit verschiedenen Zeitzonen: „Ich rechne ständig im Kopf mit: ‚Okay, jetzt stehen sie auf.‘ Oder: ‚Jetzt gehen sie schlafen.‘ Und wenn ich nichts von ihnen höre, denke ich: Das ist ein gutes Zeichen.“
Selbstzweifel als Normalzustand
Im Film sagt Hektor zu Katharina: „Du bist anstrengend.“ Sie antwortet: „Frag mich mal!“ Auf die Frage, ob sie dieses Gefühl kennen, antworten beide mit einem klaren Ja. Brandt erklärt: „Mir sind Leute, die nicht an sich selbst zweifeln, total unheimlich. Das ist doch das Normalste überhaupt, dass man sich selbst in Frage stellt.“
Wie geht es nach dem Film weiter?
Eine Fortsetzung oder eine erneute Zusammenarbeit ist nicht ausgeschlossen, aber auch nicht geplant. Brandt betont: „Wir sitzen wie in der Tanzschule am Rand und hoffen, dass uns jemand auffordert.“ Nosbusch ergänzt: „Und hoffentlich werden wir dann auch mit den richtigen Dingen aufgefordert.“