Doping-Vorwurf gegen Owen Ansah: Die Faktenlage im Fall des Sprinters
Der deutsche Sprinter Owen Ansah sieht sich nach seinem historischen Bronze-Gewinn über 100 Meter bei der Leichtathletik-EM in Birmingham mit schweren Doping-Vorwürfen konfrontiert. Nach Informationen des ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt soll der Athlet ein Formular unterschrieben haben, das ihn ausdrücklich über die Konsequenzen einer verweigerten Dopingkontrolle informierte. Dem Hamburger droht eine Sperre von bis zu vier Jahren.
Was wird Owen Ansah konkret vorgeworfen?
Laut NADA-Ermittlungen soll sich der deutsche Rekordhalter (9,98 Sekunden) Anfang Juli geweigert oder unterlassen haben, eine Dopingprobe abzugeben. Deswegen liegt ein Sanktionsbescheid mit dem Vorschlag einer Sperre von vier Jahren vor. Der Vorwurf der verweigerten oder unterlassenen Dopingkontrolle wiegt schwer, da das Meldeblatt der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) kaum Interpretationsspielraum lässt.
In dem Dokument heißt es wörtlich:
„Gemäß Art. 2.3 NADA-Code (...) stellt die Umgehung oder die Weigerung oder das Unterlassen ohne zwingenden Grund eines*r Athleten*in, sich nach entsprechender Benachrichtigung einer gemäß anwendbaren Anti-Doping-Bestimmungen zulässigen Probenahme zu unterziehen einen Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen dar, der (...) mit einer bis zu vierjährigen Sperre sanktioniert werden kann.“
Welche Rolle spielt der „zwingende Grund“ in dem Fall?
Nach Kenntnis von ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt soll der EM-Dritte aus Hamburg das Dokument unterschrieben haben, ebenso wie der Kontrolleur. In seinen Augen wird es in möglichen juristischen Auseinandersetzungen auf den im Formular angeführten „zwingenden Grund“ ankommen. Seppelt betont, es sei „komplett unklar, warum er den Fehler begangen hat“.
Ansahs Anwalt Rainer Tarek Cherkeh wollte auf aktuelle Anfrage der Sportschau zu dem angeblich unterschriebenen Meldeblatt wegen des laufenden Verfahrens keine weitergehenden Stellungnahmen abgeben.
Wie erklärt Ansah den Vorfall?
Nach eigenen Angaben war Ansah als Nachrücker ins Starterfeld des Diamond-League-Rennens in Monaco gerutscht. Er habe gerade zum Flughafen aufbrechen wollen, als ein Doping-Kontrolleur außerhalb seines Proben-Zeitfensters um eine Dopingprobe gebeten habe. Er sei unter Zeitdruck gewesen und habe so kurzfristig keine Probe abgeben können, zumal er kurz zuvor die Toilette besucht habe.
Welche Konsequenzen drohen dem Sprinter?
Die 20-tägige Frist, die Strafe der NADA zu akzeptieren, läuft bereits. Legt der 25-Jährige wie angekündigt Widerspruch ein, landet der Fall vor dem Deutschen Sportschiedsgericht. Bei einer weiteren Berufung würde der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne entscheiden. Ansahs Anwalt hatte bereits am Freitag (07.08.2026) mitgeteilt, der Hamburger werde den Vorschlag ablehnen, durch den sich die Sperre automatisch auf drei Jahre reduzieren würde.
Sollte die NADA am Ende Recht behalten, werden alle Wettkampfergebnisse ab dem Tag der Kontrolle am 9. Juli aberkannt. Das würde auch den Verlust der Bronzemedaille bedeuten. Der vom Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) vorsorglich für die Staffeln nicht berücksichtigte Ansah geht bei den kontinentalen Titelkämpfen auch über 200 Meter an den Start, die am Donnerstag (13.08.2026) beginnen. Er verspüre „keine Angst“, dass er seine Medaille wieder abgeben müsse, sagte Ansah nach seinem Rennen.
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur Dopingkontrolle und den Rechten von Athleten auf. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Ansah seine sportliche Karriere fortsetzen kann oder ob ihn eine lange Sperre erwartet.