Tim Curry: Schauspieler der „Rocky Horror Picture Show“ gestorben
Der britische Schauspieler Tim Curry ist tot. Er starb im Alter von 80 Jahren, wie mehrere Medien übereinstimmend unter Berufung auf seine Managerin berichteten. Curry wurde vor allem durch seine Rolle als Dr. Frank N. Furter in der „Rocky Horror Picture Show“ und als Clown Pennywise im Horrorfilm „Es“ bekannt.
Ein Schauspieler, der Grenzen überschritt
Als Tim Curry 1973 in der „Rocky Horror Show“ erstmals in Make-up, Strapsen und Stöckelschuhen auf der Bühne stand, war das für das konservative Großbritannien eine Provokation. Das Musical von Richard O'Brien erzählte die Geschichte eines außerirdischen, bisexuellen Wissenschaftlers in Frauenkleidern. Niemand ahnte damals, dass dieses Stück ein weltweites Phänomen werden würde. Mit der Verfilmung 1977 wurde Curry zu einer Ikone der Schwulen-Szene.
Curry wurde 1946 als Timothy James Curry in der Grafschaft Cheshire geboren. Seine Kindheit verbrachte er teilweise in Hongkong, wo sein Vater als Soldat stationiert war. Nach seinem Schauspielstudium an der Universität Birmingham spielte er zunächst an der Royal Shakespeare Company und in kleineren Fernsehrollen.
Der Durchbruch mit der „Rocky Horror Picture Show“
Die Uraufführung der „Rocky Horror Show“ fand am 16. Juni 1973 vor nur 85 Zuschauern statt. Nach einem zähen Start wurde das Theater zu klein. Zwei Jahre später sang Curry als Dr. Frank N. Furter auch in der Verfilmung „Rocky Horror Picture Show“ den Song „Sweet Transvestite“. Der Film machte ihn weltberühmt, doch Curry selbst sagte dem „Guardian“: „Ich genieße das nicht, aber ich spiele das Spiel mit.“
Vielfältige Karriere in Theater, Film und Musik
Neben seiner Arbeit am Londoner West End und am Broadway spielte Curry in Brechts „Dreigroschenoper“ und in Charles Dickens' „A Christmas Carol“. Für seine Rolle als Wolfgang Amadeus Mozart in der Broadway-Version von „Amadeus“ wurde er für einen Tony nominiert.
Als Musiker versuchte sich Curry ebenfalls. Seine Alben „Read My Lips“ (1978), „Fearless“ (1979) und „Simplicity“ (1981) waren jedoch keine kommerziellen Erfolge. Immerhin schaffte es die Single „I Do The Rock“, die er mit dem Filmkomponisten Michael Kamen schrieb, in die US-Charts.
Hollywood und die Arbeit als Sprecher
Ab den 1980er Jahren war Curry auch in Hollywood gefragt. Er spielte in John Hustons Musical „Annie“, in der Krimikomödie „Alle Mörder sind schon da“ und 1985 als Herr der Finsternis in Ridley Scotts „Legende“ mit Tom Cruise. Das Fantasy-Abenteuer floppte, hat heute aber Kultstatus.
Ende der 1980er Jahre zog Curry in die USA. In den 1990er Jahren folgten Nebenrollen in Filmen wie „Jagd auf Roter Oktober“, „Kevin – Allein in New York“ und „Die drei Musketiere“. Legendär wurde sein Auftritt als furchterregender Clown Pennywise in der Stephen-King-Verfilmung „Es“.
In seinen späteren Jahren konzentrierte sich Curry zunehmend auf Sprechrollen. Er lieh unzähligen Figuren in Zeichentrickserien, Kinderserien und Videospielen seine markante Stimme und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet.
Leben nach dem Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall im Jahr 2012 war Curry teilweise gelähmt und saß im Rollstuhl. Seinen Humor verlor er nicht. „Am Tag vor dem Schlaganfall hab ich drei Schachteln geraucht“, scherzte er in einem Interview mit dem „Guardian“. „Das werde ich nicht wieder machen.“
Er arbeitete weiter als Sprecher. Als die „Rocky Horror Picture Show“ 2016 für das Fernsehen neu verfilmt wurde, wirkte Curry als Erzähler mit. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er seine Autobiografie „Vagabond“, die er auch als Hörbuch einsprach.
Tim Curry war laut seiner Website nie verheiratet und hatte keine Kinder. Über sein Privatleben ist wenig bekannt. In seiner Autobiografie erklärte er: „Affären des Herzens oder im Bett gehen euch – bei allem Respekt – verdammt noch mal nichts an.“
Mit Tim Curry verliert die Film- und Theaterwelt einen außergewöhnlichen Künstler, der mit seiner Vielseitigkeit und seinem Mut zur Provokation Generationen geprägt hat.