Sybille Koch: Eine engagierte Lehrerin kämpfte gegen Depression
Sybille Koch war eine außergewöhnliche Pädagogin, die über 30 Jahre lang an der Comenius Schule am Fehrbelliner Platz unterrichtete. Doch hinter ihrer professionellen Fassade verbarg sich ein lebenslanger Kampf gegen eine schwere Depression, der schließlich zu ihrem Tod führte.
Eine Lehrerin mit Leidenschaft
Koch benötigte die Struktur der Schule, um ihrem Leben Sinn und Halt zu geben. Jeden Morgen verließ sie ihre ordentliche Wohnung in der Schöneberger Gotenstraße, wo sie seit drei Jahrzehnten lebte, und fuhr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ihre Schülerinnen und Schüler konnten sich zu hundert Prozent auf sie verlassen.
Nach ihrem Linguistikstudium, das ihr zu leblos erschien, wechselte sie zum Lehramt und ergänzte später eine Ausbildung zur Sonderpädagogin. "Kinder, schlagt das Buch auf Seite 117 auf und löst die Aufgaben" – so lief der Unterricht bei Koch nicht. Jede Stunde war sorgfältig vorbereitet, jedes Kind wurde ernst genommen.
Der Kampf gegen die Dunkelheit
Trotz ihres beruflichen Erfolgs und eines aktiven sozialen Lebens mit Chor, Tischtennis, Museumsbesuchen und Reisen konnte Koch ihrer Depression nicht entkommen. Feierabende, Wochenenden und Ferien bedeuteten für sie eine besondere Belastung, da dann die Struktur der Schule wegfiel.
Tausende Therapiestunden, Medikamente, Klinikaufenthalte und Schockbehandlungen konnten ihr nicht dauerhaft helfen. Die Wurzeln ihrer Erkrankung lagen möglicherweise in einer schwierigen Kindheit mit einem als "gemein und böse" beschriebenen Vater und einer Mutter, die sie vor dessen Zorn zu schützen suchte.
Corona als Wendepunkt
Die Pandemie und die damit verbundenen Schulschließungen führten zu einem Zusammenbruch. Nach anderthalb Jahren in psychiatrischer Behandlung war klar, dass Koch nicht mehr vor einer Klasse würde stehen können. Sie gab fortan Einzelunterricht für Schülerinnen und Schüler, die der regulären Schule fernblieben.
Während einige Freunde sie nach dem Psychiatrieaufenthalt als verändert und zurückgenommener erlebten, sahen andere gerade in den letzten Monaten ein Wiederaufblühen. Doch in Gesprächen äußerte Koch, dass sie nicht mehr kämpfen wolle und es nicht mehr aushalte.
Ein systemisches Problem
Kochs Geschichte verdeutlicht die unzureichende gesellschaftliche Unterstützung für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Trotz jahrzehntelanger Behandlung fand sie keine dauerhafte Linderung ihrer Depression. Dies wirft Fragen zur Qualität der psychiatrischen Versorgung und zur gesellschaftlichen Stigmatisierung psychischer Leiden auf.
Ihre Freunde erinnern sich an Sybille Koch als eine Person, die trotz ihrer eigenen Kämpfe stets für andere da war – eine Lehrerin, die das Leben unzähliger Kinder bereicherte, während sie selbst um ihr eigenes rang.