Rudolstadts Theaterchef kündigt Rücktritt bei AfD-Landrat an
Der Intendant des Schiller-Theaters Rudolstadt, Steffen Mensching, hat seinen Rücktritt für den Fall eines Wahlsiegs des AfD-Kandidaten Thomas Benninghaus angekündigt. Mensching begründet diesen Schritt mit geschichtsrevisionistischen Äußerungen Benninghaus und befürchtet strukturelle Angriffe auf die künstlerische Freiheit sowie die Theaterfinanzierung. Die Stichwahl zum Landrat im Thüringer Landkreis Saalfeld-Rudolstadt findet am 21. Juni 2026 statt.
Foto: Mitteldeutscher Rundfunk
Warum wirft Steffen Mensching dem AfD-Kandidaten Geschichtsrevisionismus vor?
Im Zentrum der Kontroverse steht die Deutung historischer Gedenkkultur. Der AfD-Kandidat Thomas Benninghaus hatte die als Stolpersteine verlegten Gedenksteine für jüdische Opfer sowie Sinti und Roma als Kriegsopfer bezeichnet. Für Mensching stellt diese Einordnung eine klare Verharmlosung des Holocaust dar. Die Morde im Nationalsozialismus seien politisch und rassistisch motiviert gewesen, so der Intendant. Diese Relativierung ist für ihn kein Bagatelldelikt, sondern ein grundsätzlicher Dissens, der eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unmöglich mache.
Mensching verweist auf die historischen Errungenschaften der Friedlichen Revolution 1989/90. Die damals erkämpften Freiheitsrechte sieht er durch den Aufstieg der AfD auf dem Prüfstand. Er betont die Notwendigkeit einer klaren Brandmauer gegenüber der Partei und schließt eine institutionelle Zusammenarbeit kategorisch aus.
Welchen Einfluss hätte ein AfD-Landrat auf das Schiller-Theater?
Die Entscheidung Mensching basiert nicht allein auf ideologischen Differenzen, sondern auch auf einer sachlichen Analyse der kommunalen Machtstrukturen. Der Landrat von Saalfeld-Rudolstadt übt erheblichen institutionellen Einfluss auf das Theater aus. Erste Funktion: Der Landrat steht dem Zweckverband vor, dem Träger des Theaters, und kontrolliert dort 50 Prozent der Stimmen. Zweite Funktion: Der Landrat stellt im zweijährigen Turnus den Aufsichtsratsvorsitzenden der Theater GmbH. Dies bringt zwei von Mandaten der Landrätin oder des Landrats abhängige Sitze in das Kontrollgremium.
Aktuell sind die Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat, in dem auch das Land vertreten ist, noch so beschaffen, dass direkte Eingriffe der AfD blockiert würden. Im Zweckverband jedoch verfügt der Landrat bereits über eine vetosichere Position. Mensching warnt davor, dass diese strukturelle Macht bei einem Rechtsruck im Kreistag weiter wachsen könnte.
Wie könnte die AfD die künstlerische Freiheit einschränken?
Die Befürchtungen des Intendanten stützen sich auf konkrete Präzedenzfälle. Der Spielplan des Theaters muss vom Aufsichtsrat bestätigt werden. In Gremien, in denen die AfD bereits vertreten ist, versucht die Partei laut Mensching aktiv, auf das künstlerische Programm Einfluss zu nehmen. Auch das Schiller-Theater selbst stand bereits im Fokus der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. So stellte die Fraktion eine kleine Anfrage zu dem Stück