Musk-Dokumentation in Venedig: Ein unheimliches Porträt des Tech-Milliardärs
Bei den Filmfestspielen von Venedig hat der Dokumentarfilmer Alex Gibney ein über vierstündiges Porträt von Elon Musk vorgelegt. Der Film mit dem schlichten Titel „Musk“ zeichnet den Aufstieg des Unternehmers nach und zeigt dabei ein verstörendes Bild eines Mannes, dem einzelne Menschen wenig bedeuten. Die Doku läuft außer Konkurrenz und nutzt einen ungewöhnlichen Ansatz, da Musk ein Interview verweigerte.
Warum spricht in der Doku eine künstliche Version von Musk?
Gibney kontaktierte Musk für ein Interview, doch der Unternehmer lehnte ab. Daraufhin entschied sich der Regisseur für ein Konzept, das zum Gegenstand des Films passt: Er verwendete zahlreiche schriftliche Statements, die Musk auf der Plattform X veröffentlicht hat. In Ermangelung des echten Musks lässt Gibney diese Aussagen von einer künstlich erzeugten Version des Unternehmers sprechen. Ästhetisch ist diese Lösung gewöhnungsbedürftig, wie Kritiker anmerken.
Welche Stationen aus Musks Leben beleuchtet der Film?
Gibney nutzt umfangreiches Archivmaterial und Interviews mit Weggefährten. Darunter sind Musks erste Frau Justine Musk, die Influencerin Ashley St. Clair, ehemalige Geschäftspartner von Tesla und SpaceX sowie mehrere Journalisten. Der Film korrigiert das Bild des von Erfolg gesegneten Überunternehmers: Viele seiner Firmen hatten zunächst keinen Erfolg. Dank seines Egos gelang es Musk jedoch immer wieder, seinen Marktwert zu steigern, teils mit unsauberen Mitteln. So setzte er Martin Eberhard, einen der eigentlichen Gründer von Tesla, nach einigen Jahren vor die Tür, um selbst als Gründer aufzutreten.
Welche unheimlichen Aspekte zeigt die Dokumentation?
Besonders irritierend sind Details aus Musks Privatleben. Der Film zeigt, dass Musk verschiedenen Frauen anbietet, mit ihm ein Kind zu bekommen. Sein Ziel sei es, eine „Legion“ zu schaffen und seine Gene zu verbreiten, um ein „Heer“ aufzubauen. Die Mütter behandelt er nach erfolgter Reproduktion mitunter respektlos. Auch die Musikerin Grimes, mit der Musk drei Kinder hat, sei davon betroffen gewesen. Ein Sorgerechtsstreit war die Folge ihrer Trennung.
Gibney zeichnet so das Porträt eines Machtmenschen, der einzelne Menschen kaum wahrnimmt. Auch Musks Zwischenspiel in der Trump-Regierung als Einsparungsbeauftragter für staatliche Ausgaben kommt im Film vor. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird indirekt thematisiert.
Casey Afflecks „Company“: Ein rätselhafter Wettbewerbsbeitrag
Ebenfalls in Venedig zu sehen ist der Wettbewerbsfilm „Company“ von Schauspieler Casey Affleck. In seiner dritten Regiearbeit erzählt er auf drei verschachtelten Ebenen die Geschichte schwarz gekleideter Figuren, die im 19. und 20. Jahrhundert vor den Türen fremder Menschen auftauchen und ihnen Geschichten erzählen. Jede weitere Ebene gehört zur ursprünglichen Erzählung. Spuk, winterliche Landschaften und Menschen, die sich ihrer Wünsche nicht bewusst sind, prägen den Film. Ein Rätsel, das den Zuschauer zum Grübeln bringt.