Holocaust-Gedenkstätte in Dresden: Finanzierung weiter ungewiss
Die Zukunft einer geplanten Holocaust-Gedenkstätte am Alten Leipziger Bahnhof in Dresden hängt am seidenen Faden. Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat über die Finanzierung des wichtigen Erinnerungsprojekts, nachdem bereits 100.000 Euro für 2025 verfallen sind.
Authentischer Ort des Schreckens
Vom Alten Leipziger Bahnhof in der Dresdner Neustadt fuhren ab 1942 Deportationszüge in die nationalsozialistischen Vernichtungslager. Die ehemalige Empfangshalle liegt heute in Ruinen, die Gleise sind überwuchert. Auch die damals neunjährige Renate Aris sollte im Februar 1945 einen solchen Zug besteigen. Nur die Bombardierung Dresdens rettete ihr das Leben.
"Wäre der Alte Leipziger Bahnhof nicht zerstört gewesen, ich wäre von dort aus nach Theresienstadt gekommen", erinnert sich die heute 90-Jährige, die letzte Holocaust-Überlebende im Raum Dresden, Chemnitz und Görlitz.
Kampf gegen das Vergessen
Renate Aris setzt sich mit großem Engagement für die Gedenkstätte ein. "Wenn es uns nicht mehr gibt, dann legt sich jeder die Geschichte zurecht, wie er will", betont sie. Ein authentischer Gedenkort sei daher von entscheidender Bedeutung.
André Lang, Mitstreiter im Förderverein und 1946 im Exil geboren, unterstreicht die Dringlichkeit: "Die gegenwärtige Entwicklung, der zunehmende Rechtsextremismus und bestimmte Formen des Antisemitismus verlangen von uns, dass wir aus dem Erinnern heraus Lösungen schaffen."
Ambitioniertes Konzept ohne städtische Unterstützung
Das im März 2025 vorgestellte Konzept sieht nicht nur eine Shoah-Gedenkstätte vor, sondern auch ein Dokumentationszentrum zur NS-Geschichte und eine Begegnungsstätte für jüdisches Leben in Dresden. Die jährlichen Betriebskosten werden auf 1,5 Millionen Euro geschätzt.
Doch die Stadt zögert. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch verweist auf die angespannte Finanzlage: "Man muss vielleicht betonen, dass das Konzept ein Diskussionsangebot ist." Sie sieht auch den Freistaat Sachsen in der Verantwortung.
Ungeklärte Eigentumsverhältnisse als Hindernis
Ein weiteres Problem sind die ungeklärten Eigentumsverhältnisse. Oberbürgermeister Dirk Hilbert verhandelt bislang ergebnislos mit der Globus Holding über einen Ankauf des Areals. CDU und FDP im Stadtrat machen dies zur Bedingung für ihre Zustimmung zur Finanzierung.
Landtagsabgeordneter Albrecht Pallas appelliert an alle demokratischen Fraktionen: "Es gibt nicht viele Orte, die so authentisch für den Holocaust stehen wie der Leipziger Bahnhof."
Zeit drängt für Überlebende
Für Renate Aris ist weiteres Abwarten keine Option. Die 90-Jährige möchte die Eröffnung der Gedenkstätte noch erleben: "Natürlich will ich da mit dabei sein, aber da muss ich ja noch zehn Jahre drauflegen. Ich hoffe, es ist eher!"
Sollte der Stadtrat die Finanzierung erneut ablehnen, müssten bereits begonnene Projekte wie der Austausch mit einer Gedenkstätte in Riga oder die Einbindung von Nachfahren der Shoah-Opfer eingestellt werden.