Danger Dan und Igor Levit: Ersatzkonzert nach ZDF-Absage in Berlin
Nachdem das ZDF ihren Auftritt in der Kabarettsendung „Die Anstalt“ kurzfristig gestrichen hatte, gaben die Musiker Danger Dan und Igor Levit ein Ersatzkonzert im Berliner Columbia Theater. Der Abend stand ganz im Zeichen der Frage, wie die Gesellschaft mit Rechtsextremismus umgehen sollte.
Danger Dan, bürgerlich Daniel Pongratz, und Pianist Igor Levit hatten ihren umstrittenen Song „Keine Angst“ eigentlich bei der 100. Ausgabe der ZDF-Sendung aufführen wollen. Die Redaktion der „Anstalt“ hatte sich mit der Folge der Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie gewidmet. Doch das ZDF entschied kurz vor der Aufzeichnung, den Auftritt zu streichen. Der Liedtext könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden, hieß es zur Begründung.
Die Debatte, die wir hätten führen müssen
Im Columbia Theater richteten Danger Dan und Levit den Blick jedoch nicht auf die ZDF-Entscheidung. „Das ist nicht die entscheidende Frage“, sagte Levit. Vielmehr müsse man sich fragen: „Wie gehen wir um mit rechter Gewalt, die explosionsartig anwächst und immer brutaler wird?“, ergänzte Danger Dan. Und Levit fragte: „Wie unterstützen wir Menschen, die in Gegenden leben, in denen sie Angst haben müssen, aus dem Haus zu gehen, weil Nazis patrouillieren?“
Das Konzert wurde live auf YouTube übertragen. Im Publikum saßen auch einige Macher der „Anstalt“, die die Ausladung selbst als mutlos kritisiert hatten. Danger Dan sagte, die Causa ZDF wolle man mit einem Satz abhaken: „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt.“ So heißt auch einer seiner Songs, der vor fünf Jahren für Schlagzeilen gesorgt hatte.
ZDF-Intendant verteidigt Entscheidung
ZDF-Intendant Norbert Himmler räumte in der Süddeutschen Zeitung ein, dass man sich die Kurzfristigkeit der Ausladung vorwerfen lassen müsse. „Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der eigentlichen Einladung.“ Inhaltlich blieb er jedoch bei seiner Position. Der Song sei „unzweifelhaft eine Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand“, die in freundliche Grüße an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter münde.
Danger Dan widersprach im Spiegel: „Ich rufe niemanden dazu auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es geht darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können.“ Er verabscheue Gewalt. „Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität.“
Kritik aus dem ZDF-Fernsehrat
Acht Mitglieder des ZDF-Fernsehrats kritisierten die Absage in einem offenen Brief, der auf netzpolitik.org veröffentlicht wurde. Das ZDF habe eine Gelegenheit verpasst, eine Debatte über Rechtsextremismus in Deutschland und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Bekämpfung anzustoßen, hieß es darin.
Erlös für Opferhilfe
Das Ersatzkonzert trug den Titel „Die Keine Angstalt“. Der Gewinn sollte an den Brandenburger Verein Opferperspektive gehen, der sich für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt einsetzt. In Redebeiträgen wurde unter anderem an die Opfer des rechtsterroristischen Anschlags am Münchner Olympia-Einkaufszentrum vor zehn Jahren erinnert.
Die Jubiläumsfolge der „Anstalt“ wurde am Abend des Konzerts im ZDF ausgestrahlt und ist in der Mediathek abrufbar.