Chinesische Kaffee-Kette bedroht lokale Betriebe in NRW
Die chinesische Kaffee-Kette Cotti Coffee expandiert mit aggressiver Preispolitik nach Nordrhein-Westfalen und setzt lokale Cafés unter enormen Druck. Mit Aktionspreisen von nur 99 Cent für einen Espresso etabliert sich das Unternehmen bereits in Köln und Düsseldorf.
Kampfpreise gefährden lokale Arbeitsplätze
Die Preisgestaltung von Cotti Coffee folgt einem bekannten Muster chinesischer Markteroberung. Während der Aktionsphase kostet ein Espresso 99 Cent, ein Americano 1,99 Euro. Nach der Einführungsphase steigen die Preise auf 2 Euro beziehungsweise 2,70 Euro, bleiben aber deutlich unter dem Niveau etablierter Anbieter wie Starbucks.
"Solche Kampfpreise sind typische Verkaufsmaßnahmen aus China", erklärt WDR-Wirtschaftsjournalist Carsten Schabosky. Das Konzept folge dem Prinzip Masse statt Klasse, wie es bereits von Temu und Shein bekannt ist.
Existenzängste bei lokalen Betreibern
Dirk Barthelmeß, Mitinhaber der Kölner Kaffeebar Moxxa Caffe, sieht die Entwicklung kritisch: "Der Einkaufspreis für Kaffee ist extrem hoch, gerade durch gestiegene Rohstoffkosten und den Klimawandel." Diese Preise seien für kleine Betriebe schlicht nicht darstellbar.
Die weltweiten Kaffeepreise steigen aufgrund von Ernteausfällen, höheren Energiekosten und reduzierten Lagerbeständen kontinuierlich an. Während lokale Coffeeshops mit diesen strukturellen Problemen kämpfen, nutzt Cotti Coffee ein minimalistisches Konzept mit maximal vier Sitzplätzen pro Filiale als reine Abholstationen.
Intransparenz bei Herkunft und Standards
Besonders problematisch erscheint die mangelnde Transparenz bezüglich der Lieferkette. Obwohl Cotti Coffee in der Kölner Filiale eine Weltkarte mit möglichen Anbaugebieten zeigt, fehlen detaillierte Informationen über nachhaltige Projekte oder soziale Standards völlig.
Diese Intransparenz steht im Widerspruch zu den wachsenden Ansprüchen der Verbraucher an faire Handelsbedingungen und ökologische Nachhaltigkeit in der Kaffeeproduktion.
Rechtliche Klarstellung zu Dumpingpreisen
Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat in einem aktuellen Urteil bestätigt, dass derartige Kampfpreise legal sind. Dies verschafft Cotti Coffee rechtliche Sicherheit für die aggressive Markterschließung, verstärkt aber gleichzeitig die Sorgen lokaler Betriebe um ihre Existenz.
Wirtschaftsexperte Schabosky warnt: "Viele kleine Coffeeshops kämpfen ohnehin mit den hohen Kosten. Cotti Coffee verschärft die Situation massiv."
Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob sich das chinesische Expansionsmodell langfristig durchsetzt oder ob Verbraucher letztendlich Qualität und Transparenz über niedrige Preise stellen.